Voraussetzungen für den Missionsdienst

Die Voraussetzungen für den Missionsdienst lassen sich nicht einfach standardisieren, messen oder definieren. Nicht zuletzt ist die Missionsarbeit eine Arbeit, deren Frucht aus der Beziehung des Missionars zu Gott und den Menschen, die er betreut, erwächst. Dabei spielen natürliche Begabung, Persönlichkeitsstruktur, Charakter und geistliche Reife eine ebenso große Rolle wie eine gute theologische und missionsspezifische Ausbildung.

Eine gute missionstheologische Ausbildung schließt jedoch nicht automatisch die Qualifikation für den Missionsdienst ein. Zur Zurüstung eines Missionars gehört nicht nur das, was sich auf dem Papier festhalten lässt. Andererseits muss aber mit gleicher Deutlichkeit gesagt werden, dass ein guter Charakter, ein geistliches Wesen, Missionseifer und Besuch einer Kurzbibelschule normalerweise nicht ausreichen, um Missionar zu werden. Eine qualifizierte Ausbildung ist ebenso erforderlich. Hinzu kommt, dass für viele Länder der Nachweis einer Fachausbildung Voraussetzung für die Visumerteilung ist.

Die Voraussetzungen für den Missionsdienst werden nach verschiedenen Gesichtspunkten beurteilt:

a)     Geistliche und charakterliche Qualifikation

b)     Emotionale Stabilität

c)     Körperliche und gesundheitliche Qualifikation

d)     Lehrmäßige Qualifikation

e)     Qualifizierte Ausbildung

Letzten Endes ist nur der Heilige Geist wirklich in der Lage, uns für den Auftrag des Herrn zu qualifizieren. Die göttliche Begabung wird allerdings nicht mechanisch mitgeteilt, denn Gott übergeht weder die menschliche Person, noch umgeht er die Gesetzmäßigkeiten, die unser Wesen und unseren Verstand bestimmen. Bei der Zurüstung für den Missionsdienst gibt es sowohl eine menschliche als auch eine göttliche Seite. Die göttliche Bestimmung soll zum Ansporn werden, alles einzusetzen, um so gut wie irgend möglich für den göttlichen Auftrag ausgerüstet zu sein.

Bei all dem Gesagten gilt: Gott gibt seinen Schatz in irdene und zerbrechliche Gefäße (2. Kor. 4, 7). Ein Missionar Christi ist ein Mensch, der ein tiefes Bewusstsein seiner eigenen Sündhaftigkeit, aber auch seines Erlöstseins hat. Er ist ein Mensch mit seinen Begrenzungen, Schwächen und Fehlern. Von entscheidender Bedeutung ist jedoch, wie er damit umgeht ? ob er sie überspielt oder akzeptiert und Gott auch in seinen Schwachheiten Herr sein lässt.

Es gibt gewisse Faktoren, die für alle gelten, die in der Missionsarbeit mit der Allianz-Mission tätig sein wollen:

 

1.   Geistliche Voraussetzungen

a)     Bekehrung

Nur der kann andere zu Christus führen, der selbst mit ihm lebt. Bekehrung und Wiedergeburt sind der Anfang der bewussten Hingabe des persönlichen Lebens unter die Herrschaft Christi.

b)     Berufung

Die Berufung eines Menschen zum Missionsdienst zeigt sich in dem tiefen persönlichen Überzeugtsein, dass das eigene Leben nur dann seinen Zweck und Sinn erfüllt, wenn es im missionarischen Dienst und Einsatz gelebt wird. Die Berufung bestätigt sich, wenn sie auch von der sendenden Gemeinde erkannt und mit getragen wird. Die Missionsarbeit ist immer mit Verzicht und Leiden verbunden. Wer nicht die Gewissheit hat, dass er von Gott in diese Aufgabe gesandt wurde, steht in der Gefahr, Schiffbruch zu erleiden.

c)     Motivation

Die Motivationen für ein Leben im Ausland können sehr vielschichtig sein. Als unvollkommene Menschen werden unsere Motive auch von unserer Unvollkommenheit eingefärbt. Der tiefe, in der Beziehung zu Christus begründeter Wunsch, missionarisch zu leben und zu arbeiten, ist eine unaufgebbare Voraussetzung.

d)     Bereitschaft, sich von Gott verplanen zu lassen

Es mag sein, dass Gott mit der Berufung auch die Gewissheit über das Land der Berufung schenkt. Grundsätzlich aber gilt: Bereit sein, dahin zu gehen, wo Gott uns hinführt, und nicht, wo wir hinwollen. Missionar sein heißt: ?Ausländer auf Befehl? sein wie Abraham, der in ein Land auszog, das Gott ihm erst zeigte, nachdem er sich auf den Weg gemacht hatte.

e)     Bereitschaft zum Dienst

Jesus, der Herr, sagt: ?Ich aber bin unter euch wie ein Diener? (Lukas 22, 27). Er, der Meister, wusch seinen Jüngern die Füße.  Auf dem Missionsfeld werden daher nicht in erster Linie Sachverständige oder Besserwisser, sondern Diener Jesu benötigt. Ziel des Dienstes muss u. a. sein, die Selbständigkeit der einheimischen Gemeinden und Mitarbeiter zu stärken, gepaart mit der Bereitschaft, den eigenen Einfluss und die eigene Selbständigkeit mehr und mehr aufzugeben; nach dem Motto: ?Sie müssen wachsen und ich muss abnehmen.?

f)     Liebe zu den Menschen im Land

Selten ist ein Missionar in der Lage, in der erlernten Sprache alle Feinheiten der Gefühle und Empfindungen auszudrücken. Wie dem auch sei; die Sprache der Liebe verstehen alle Menschen. Liebe, Verständnis und Einfühlungsvermögen überzeugen i. d. R. stärker als nüchterne Sachargumentation.

g)     Hingabe

Der Ruf Gottes ist eine ernste und heilige Sache und verlangt unser Bestes. Der Apostel Paulus beschreibt seinen Lebensstil wie folgt: ?Soviel an mir ist, bin ich wohl willens, das Evangelium zu predigen? (Römer 1, 15). In freier Übersetzung ließe sich wohl sagen: ?Ich habe alle mir gegebenen Fähigkeiten mobilisiert und entwickelt und für den einen Zweck eingesetzt, nämlich die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus.?

 

2.   Psychologische Voraussetzungen

a)     Beziehungsfähigkeit

Eines der wichtigsten Elemente in der Missionsarbeit ist die Begegnung von Menschen. Als Missionar muss man in der Lage sein, Beziehungen herzustellen und zu pflegen. Wer Schwierigkeiten in der Beziehungspflege in der eigenen Kultur hat, ist in der interkulturellen Begegnung hoffnungslos überfordert. Die Fähigkeit Kontakte herzustellen und Freundschaften aufzubauen ist eine Grundvoraussetzung für ein missionarisches Leben.

b)     Einsamkeit

Missionar zu sein heißt nicht nur, Dienst in einem anderen Land zu tun, sondern Gesandter Gottes zu sein. Darum ist er in erster Linie missionsfeld- und nicht heimatorientiert. Die Bindung an die Familie und den Freundeskreis wird beim Missionar zwangsläufig geringer als in Deutschland sein. Das Erleben existentieller Einsamkeit ist die logische Folge eines Einsatzes in einem fremden Kulturbereich. Wer zum Durchstehen dieser Einsamkeit, bedingt durch die Lösung von Freunden und Verwandten (Reisen nach Deutschland sollten im ersten Term vermieden werden), nicht in der Lage ist, begegnet in der äußeren Mission tiefen persönlichen Konflikten.

c)     Traumabewältigung

Persönliche psychologische Probleme werden durch den Kulturwechsel in der Regel verdreifacht. Emotionale Traumas aus Kindheit und Jugend sollten deshalb vor einer Ausreise besprochen und behandelt sein.

d)     Stressbewältigung

Identitätskrisen werden i. d. R. durch die Situation auf dem Missionsfeld verstärkt. Körperliche und psychische Schwächen multiplizieren sich unter klimatischen Belastungen. Ein Kulturwechsel beinhaltet hohe Stressfaktoren. Es ist wichtig, dass der Missionar lernt, mit Stress und Druck zu leben.

e)     Gesunde Familienstruktur

Im Missionsdienst ist das Ehepaar und die Familie als Einheit zu sehen. Die Struktur der Missionsfamilie muss gesund und tragfähig sein. Die interfamiliären Beziehungen sollten positiv gelebt werden.

 

3.   Gesundheitliche Voraussetzungen

a)     Allgemeine Gesundheit

Ein gesunder Körper ist eine große Hilfe für den Missionsdienst. Chronische Krankheiten und Behinderungen, welche die Einsatzmöglichkeiten einschränken, sind nicht grundsätzlich ein Hinderungsgrund für den Missionsdienst.

b)     Tropentauglichkeit

In verschiedenen Ländern ist die Tropentauglichkeit Voraussetzung für die Entsendung in den Missionsdienst.

c)     Gesunder Lebenswandel

Die Leistungsfähigkeit eines Missionars hängt von der Gesundheit seines Körpers ab. Ein gesunder Lebenswandel, Sport, Ernährung usw. hilft um langfristiger einsatzfähig zu bleiben.

 

4.   Überzeugungen

a)     Überzeugtsein von der Wahrheit des Evangeliums

Der Herr hat uns eine Botschaft anvertraut, die absolut und endgültig den Weg der Erlösung durch Christus zeigt. Diese Botschaft ist einzigartig und gründet sich auf die Bibel, kommt von der Bibel und ist Gottes Offenbarung an die Menschen. Wir sind nicht dazu ausgesandt, dass wir uns mit der Menschheit zu einer allgemeinen Wahrheitssuche vereinigen, sondern dass wir in Demut und Sensibilität für andere Kulturen die göttlich offenbarte Wahrheit ohne Abstriche verkündigen und leben.

b)     Gemeindeverständnis

Als Allianz-Mission identifizieren wir uns mit dem Gemeindeverständnis der Freien Evangelischen Gemeinden. Die Gemeinde Jesu hat als Orts- und Universalgemeinde eine zentrale Bedeutung im Neuen Testament. Paulus selbst sagt, dass Jesus die Gemeinde liebt und sich selbst für sie dahingegeben hat. Dies gilt insbesondere für die Ortsgemeinde mit ihren Kämpfen, Problemen und Nöten. Gerade in der Dritten Welt werden Mitarbeiter mit einem klaren Verständnis von der biblischen Gemeinde und einer tiefen Liebe zur Ortsgemeinde benötigt.

 

5.   Fähigkeiten

a)     Begabung

Der Missionar trägt eine große Verantwortung. Deshalb sind neben den geistlichen und persönlichen Voraussetzungen auch geistige und praktische Befähigungen erforderlich. Er sollte in der Lage sein, eine fremde Sprache zu erlernen, sich anderen Verhältnissen anzupassen und das Evangelium auch in anderen Kulturen verständlich weiterzugeben. Dazu sollte er bereits in der Heimat gezeigt haben, das er sich Fähigkeiten in den Aufgabenbereichen des zukünftigen Missionsdienstes angeeignet hat.

b)     Bewährung

Missionar wird man nicht erst durch die Entsendung in ein anderes Land, sondern durch die Bewährung in der Heimat. Dies zeigt sich in einem Gott hingegebenen Leben, das vom Heiligen Geist kontrolliert wird. Die wichtigsten Bewährungsfelder sind Familie, Gemeinde, Schule und Beruf.

c)     Ausbildung

Eine theologische Grundausbildung wird allen Missionaren empfohlen. Dieses gilt auch für die Mitarbeiter im sozial-diakonischen Dienst. Für Gemeindegründer und -betreuer ist ein Theologiestudium nötig. Ein Missionar lebt in der Bereitschaft ein ständig Lernender zu sein.

d)     Teamfähigkeit

Die Bereitschaft zur Teamarbeit ist sehr wichtig. Die Frucht der Arbeit eines Missionars hängt nicht unwesentlich von seinem Verhältnis zu den anderen Missionaren und einheimischen Mitarbeitern und Organisationen ab. Kulturelle Unterschiede, unterschiedlicher Bildungsstand und Mentalität wirken erschwerend in der Zusammenarbeit. Wer sich schon in der Heimat nicht in ein Team einfügen kann, wird es auf dem Missionsfeld doppelt schwer haben. Wichtig ist, dass man nicht nur miteinander, sondern auch füreinander arbeitet. Ebenso ist es wichtig, dass man sich in die gegebene Struktur ein- und unterordnen kann.

e)     Anpassungsfähigkeit

Von einem Missionar wird erwartet, dass er anpassungsfähig, flexibel und opferbereit ist. Er darf die eigene Kultur nicht zum Maßstab machen. So steht er in einem Prozess indem er mehr und mehr von sich selbst loskommen und sich mehr und mehr mit den Menschen und Gemeinden im Land, in dem er arbeitet, mit ihren Nöten, Fragen und Bedürfnissen identifiziert, ohne jedoch seine eigene Identität dabei zu verlieren.

f)       Zielorientiertes Arbeiten

Als Missionar ist man insbesondere in Anfangsarbeiten auf sich selbst gestellt. Um Zeit und Kraft richtig einzusetzen, bedarf es klarer Zielsetzungen, Disziplin und Selbstkontrolle. Zielentwicklung und das Geben von Rechenschaft ist Teil des Missionsdienstes.

g)     Führungsqualitäten

Missionare müssen in den Einsatzländern oft Leitungsfunktionen übernehmen. So ist es wichtig die Bereitschaft zur Verantwortung mitzubringen. Der Umgang und das Führen von Menschen kann erlernt werden. 

 

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Quellenangaben:

Viele Formulierungen wurden dem Buch "Missionarisches Handeln und biblischer Auftrag" von George W. Peters entnommen (S. 319 - 326).

* Siehe George W. Peters, Missionarisches Handeln und biblischer Auftrag (Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell: 1977)299-321
* Siehe auch Grundlagen der Allianz-Mission