Thesenpapier zur sozial-diakonischen Missionsarbeit der Allianz-Mission
A. Unsere Vision
Wir sehnen uns nach Christen und Gemeinden, die Gott in allen Berei-chen ihres (Zusammen-) Lebens heilt, die heilend in ihrem Umfeld leben und Gottes Liebe für den ganzen Menschen erfahrbar machen. Wir hoffen darauf, dass sich dadurch Individuen, Gemeinschaften und Völker von Gott umgestalten und befähigen lassen und die Auswirkungen des angebrochenen Reiches Gottes in den geistlichen, ökonomischen, sozialen, physischen und emotionalen Dimensionen ihres Lebens erfahren.
B. Unser Grundverständnis
Weil Missionsarbeit u.a. sowohl Verkündigung als auch Sozial-Diakonie beinhaltet - und deswegen oft ?ganzheitlich? genannt wird - gehören beide zur Planung, Durchführung und Auswertung unserer Arbeit ? unabhängig von Reichtum oder Armut des Missionslandes. Evangelisation im Rahmen der sozial-diakonischen Projekte sowie Diakonie im Rahmen der Gemeindegründung sind somit unaufgebbare Bestandteile ein und derselben Arbeit.
C. Unser Ziel
Ziel unserer sozial-diakonischen Arbeit ist die Beseitigung der Armut, wo immer das möglich ist. Das ist dann erreicht, wenn Menschen erfahren, dass Gott ihnen Würde gibt, dass sie von Gott geliebte und begabte Geschöpfe sind und sie selbständig, dauerhaft und in menschenwürdiger Weise für den Lebensunterhalt ihrer Hausgemeinschaft sorgen und genug haben, um sich auf ein normales Maß an Krisensituationen vorbereiten zu könne
D. Wie wir dieses Ziel erreichen wollen
Um Armut effektiv bekämpfen zu können haben sich vier Schwerpunkte herausgestellt:
1. Partizipative Gemeinschaftsentwicklung
Wir arbeiten orientiert an den Bedürfnissen der Zielbevölkerung für eine ganzheitliche Entwicklung. Partizipative Prozesse definieren die Schwerpunkte unserer Einsatzbereiche, wobei in zweiter Linie auch Gegebenheiten der Allianz-Mission oder die Eindrücke der Missionare Anregung geben können. Ausgangspunkt von Entwicklung sind die Möglichkeiten und Gaben, die Gott in eine Gemeinschaft hineingelegt hat. In allen Phasen der Projektarbeit versuchen wir, alle Beteiligten mit einzubeziehen, besonders die Zielbevölkerung. Eine effektive Partizipation und die gezielte Förderung der Beteiligten ("capacity building") sind nicht nur Mittel zum Gelingen der Projekte, sondern wesentliches Ziel unserer Arbeit. Eigenständige, kreative und an biblischen Werten ausgerichtete Ge-staltung der Gemeinschaftsentwicklung ist unser langfristiges Ziel.
Als Partner muss die Allianz-Mission nicht in allen Bereichen selbst intervenieren, sondern kann helfen, innerhalb oder außerhalb der Gemeinschaften Problemlösungen zu finden.
2. Randgruppen
Wir wenden uns gezielt benachteiligten und ausgegrenzten Menschen zu. Dies kann ggf. auch unabhängig von den von der Gemeinschaft formulierten Zielen geschehen (siehe "partizipative Entwicklung"). In diesem Fall wird an einer Bewusstseinsveränderung innerhalb der Gemeinden und Gemeinschaften gearbeitet.
3. Karitative Arbeit
Karitative Aktionen werden dort durchgeführt, wo eine akut eingetretene Notlage kurzfristige Hilfe nötig macht. Längerfristige Abhängigkeiten sollen durch Integration der Zielbevölkerung in alle Prozesse der Hilfeleistung vermieden werden. Diese Situationen werden genutzt, damit die Gemeinschaften Strategien entwickeln, die zukünftige Notlagen vermeiden helfen.
4. Gemeinde und Entwicklung
Zusätzlich zur Entwicklung innerhalb einer Gemeinschaft helfen wir Gemeinden und deren Mitgliedern, ihre wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Situation zu verbessern. Wir fördern einen biblischen Umgang mit Geld, Besitz und Gottes Schöpfung. Christen sollen motiviert werden, dass eigene positive Veränderungen Auswirkungen auf die Gemeinschaft haben, in der sie leben.
E. Was uns dabei besonders wichtig ist
1. Biblische Maßstäbe, Gebet, Fasten
Wir arbeiten daran, dass biblische Maßstäbe und Anweisungen praktischen Niederschlag in unserer sozial-diakonischen Arbeit finden. Gebet und ggf. Fasten sind fester Bestandteil unserer Arbeit. Diese gehören mit zu Projektplanung, - durchführung und -auswertung. Daher können auch Gebetstreffen, Bibelstudium etc. mit ins Budget einfließen.
2. Für alle Menschen
Weil sich Gott uns zugewandt hat, als wir noch seine Feinde waren, gilt auch unsere sozial-diakonische Arbeit allen Menschen, unabhängig von Glauben, Religion, Alter, Geschlecht oder ethnischer Zuge-hörigkeit.
3. Ursachen bekämpfen
Soweit dies möglich ist, soll sich unsere Arbeit gegen die Ursachen von Armut wenden und nicht nur ihre Symptome bekämpfen. Daher gehört das kontinuierliche Arbeiten am Verständnis dieser Gründe zu unseren Aufgaben.
4. Qualität
Wir möchten unsere Arbeit fachlich so gut wie möglich durchführen. Daher wollen wir Erkenntnisse aller hilfreichen Disziplinen in unsere Arbeit mit einbeziehen und eine kontinuierliche Weiterbildung - auf allen Ebenen - unserer Mitarbeiterschaft fördern.
5. Transparenz
Wir wollen so arbeiten, dass unsere Grundsätze, Arbeitsweisen, Fi-nanzen, Fortschritte aber auch Misserfolge so transparent wie möglich gemacht werden. Dies gilt für unsere Mitarbeiter, Partnerkirchen, die zuständigen staatlichen Behörden, die Missionsleitung sowie die Gemeinden in Deutschland.
6. Nachhaltigkeit
Wir bemühen uns darum, dass unsere Arbeiten nachhaltige Wirkung haben über die Zeit der Projektabwicklung hinaus. Dabei geht es nicht nur um das einzelne Projekt oder Programm, sondern in besonderer Weise darum, dass Mitarbeiter und Zielbevölkerung in ihrem Selbstwert und ?vertrauen gestärkt und in die Lage versetzt werden, eigenständig an Entwicklung zu arbeiten. Nachhaltige Wirkung kann nur dann erreicht werden, wenn wir Gottes Schöpfung pflegen und bewahren. Diese Tatsache muss bei der Projektdurchführung bedacht werden.
7. Verantwortung und Organisation
Die Allianz-Mission arbeitet darauf hin, dass schrittweise Verantwortung der sozial-diakonischen Arbeit frühestmöglich übergeben wird. Diese kann abgegeben werden an die Zielbevölkerung, die Gemeinden, staatliche Stellen, einheimische Mitarbeiter und Organisationen. Jeder Beginn einer neuen Arbeit beinhaltet die Vorbereitungen zur Verantwortungsübergabe. Wir wünschen uns, dass Sozial- und Entwicklungsarbeit innerhalb der gemeindlichen Strukturen geschieht, schließen aber nicht aus, dass hierfür eigene christliche Organisationen unabhängig von Gemeindegremien gebildet werden. Wir wollen gezielt die formelle wie informelle Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Organisationen aufbauen und pflegen. Wo immer dies möglich und sinnvoll ist, arbeiten wir integriert in staatliche Rahmenbedingungen oder Strukturen.
8. Finanzen
Ausgangspunkt jeder sozial-diakonischer Aktivität der Allianz-Mission ist das, was die Zielbevölkerung an Mitteln zur Verfügung hat bzw. mobilisieren kann. Das schließt ein starkes und tragendes finanzielles Engagement der AM (vor allem in der Startphase) nicht aus. Zur Projektplanung gehört die Frage einer von der Allianz-Mission unabhängigen langfristigen Finanzierbarkeit. Soweit möglich wollen wir unsere Partnerkirchen in die finanzielle Verantwortung mit einbeziehen. Für besonders benachteiligte Personengruppen ist auch ein langfristiges finanzielles Engagement der Allianz-Mission im Sinne einer internationalen Solidarität denkbar.
F. Personal
1. Selbstverständnis
Unser Personal, ob aus Deutschland oder aus den Einsatzländern, versteht sich als Teil der ganzheitlichen Missionsarbeit. Die Anstellung von Menschen ohne eine Beziehung zu Jesus Chris-tus ist nur in Ausnahmefällen möglich. Bei der Eignung zur Mitarbeit bei der Allianz-Mission sind die geistliche Reife, die Bereitschaft zur Mitarbeit in der Gemeinde Jesu und Gaben des Geistes Gottes ebenso wichtig wie die berufliche Qualifikation.Wir verstehen uns als Diener und wollen dies durch unsere Arbeit deutlich werden lassen.
2. Förderung und Einsatzbereiche
Wesentlicher und systematischer Bestandteil unserer Arbeit ist die Förderung der Mitarbeiter und Verantwortungsträger in den Einsatzländern wie auch in Deutschland. Dies betrifft die professionelle Weiterentwicklung ebenso wie die geistliche und persönliche Reifung. Einerseits wollen wir deutsches Personal vorwiegend dort einsetzen, wo seine Tätigkeit nicht von einheimischen Fachkräften ausgeübt werden kann. Es arbeitet darauf hin, sich selbst überflüssig zu machen. Andererseits ist es unser Wunsch, dass deutsche Mitarbeiter längerfristig im selben Einsatzland tätig sind, um Kultur und Sprache zu verstehen und gegenseitiges Vertrauen wachsen zu lassen. Außerdem können, um beispielhaft Einheit und Vielfalt des interna-tionalen Leibes Christi sichtbar zu machen, deutsche Mitarbeiter auch dort eingesetzt werden, wo anderes Personal gefunden werden könnte. Diesem Spannungsfeld (c,d,e) wollen wir begegnen, indem langjährige deutsche Mitarbeiter ihre Aufgabenfelder wechseln Schlüsselpositionen durch Mitarbeiter aus den Einsatzländern besetzt werden. Deutsche unter der Verantwortung einheimischer Mitarbeiter tätig sind.
3. Bezahlung
In der Bezahlung einheimischer Sozialmitarbeiter richten wir uns nach den Gepflogenheiten der Gastländer sowie vergleichbarer anderer christlicher Organisationen. Anders als bei den Missionaren richtet sich der Verdienst nicht nur nach den Lebenshaltungskosten, sondern auch nach der beruflichen Qualifikation, der Erfahrung und der erbrachten Leistung. Jedoch spiegelt auch die Höhe der Gehälter wider, dass Verdienst nicht das zentrale Motiv der Mitarbeit sein darf.
G. Projektmanagement
1. Kriterien zum Projektbeginn
Die geplante Maßnahme betrifft eine unserer Zielgruppen (siehe 2). Es besteht eine Verbindung zur Gemeinde(gründungs)arbeit. Eine langfristige Finanzierbarkeit durch die Zielbevölkerung ist möglich. Die Allianz-Mission hat die finanziellen, personellen und fachlichen Kapazitäten zur Durchführung. Es besteht keine Überschneidung zu den Aktivitäten anderer ? besonders christlicher - Organisationen. Die interne Struktur der Gemeinschaft (guter Zusammenhalt, keine Machtkämpfe/Rivalitäten etc.) lässt eine harmonische Durchführung zu. Im Einsatzland besteht Offenheit mit Christen zusammen zu arbeiten.
2. Durchführung und Auswertung
Jedes Projekt benötigt eine ausführliche Planung, die nach den Richtlinien der Allianz-Mission vorgenommen wird und einer Zustimmung aus Deutschland bedarf. Zu jeder Projektplanung gehören Überlegungen zur Auswertung der Aktivitäten und Ziele. Regelmäßig werden Zwischenauswertungen durchgeführt und die Projekte in Absprache entsprechend angepasst. Auch die Auswertung gestaltet sich unter Einbeziehung aller Beteiligten und partizipativ. Bei größeren Projekten ist eine externe Auswertung wünschenswert.
3. Kriterien zur Beendigung einer Arbeit
Die Ziele wurden erreicht. Die Notwendigkeit zu einer Intervention ist nicht mehr gegeben. Die selbständige Weiterführung durch die Zielbevölkerung ist möglich. Die Notwendigkeiten übersteigen unsere Kapazitäten. Andere Organisationen bzw. staatliche Behörden übernehmen die Verantwortung. Die Ziele wurden nicht erricht, und es besteht wenig Aussicht auf Änderung. Finanzielle Mittel wurden veruntreut, und es besteht wenig Hoffnung auf Klärung und Veränderung. Einer der Partner hat sein Vertrauen in den anderen tiefgreifend verloren.
