Kurze Informationen über Russland
Das Land
Russland ist das größte Land der Welt. Es erstreckt sich über elf Zeitzonen vom Baltikum bis zum Pazifik, hat eine Fläche von 17.075.400 km² und ist damit 48 mal so groß wie Deutschland.
Auch an den riesigen Temperaturunterschieden wird die Größe des Landes deutlich: Während die Menschen im Süden, am Schwarzen Meer, bei +20°C schon baden können, müssen die Bewohner des Nordens bei ?20°C noch dicke Pelzmäntel tragen. Von der Südrussischen Steppe über die Ural-Bergkette bis hin zur dicht bewaldeten sibirischen Taiga bietet das Land eine vielfältige faszinierende Landschaft.
Die Bevölkerung
Die ca. 145 Mio. Einwohner Russlands repräsentieren einen großen Reichtum an Völkern und Volksgruppen. Der Strom der Flüchtlinge und Immigranten aus den ehemaligen asiatischen und kaukasischen Sowjet-Republiken bricht nicht ab, was die Vielfalt von Kultur und Sprachen noch verstärkt. Im Land leben ca. 85% Russen; 7,2% Turkvölker, 2,6% kaukasische Völker und 5,2% andere Minderheiten. Die Amtssprache ist Russisch, jedoch gibt es insgesamt ca. 96 Sprachen.
Die gravierenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen haben die Menschen unsicher werden lassen. Sie sind orientierungslos zwischen Atheismus, orthodoxem Christentum, westlicher Kultur und unterschiedlichen religiösen Angeboten. Hinzu kommt der jahrzehntelange respektlose Umgang des Systems mit den Menschen, der sie hart und zugleich sehnsüchtig gemacht hat ? hart nach außen, um sich zu schützen, und sehnsüchtig im Herzen, weil das Grundbedürfnis, die Anerkennung der Würde, ausbleibt.
Die Wirtschaft
Die natürlichen Ressourcen Russlands sind riesig, doch die schlechte Infrastruktur und die langfristigen Folgen der kommunistischen Misswirtschaft behindern ihre sinnvolle Nutzung. Die Reformen gehen schleppend voran, weil die unvorstellbare Bürokratie und die alten Führungsstrukturen die notwendigen Änderungen erschweren. Außerdem leiden die heimische Wirtschaft, das Steuersystem und der Handel enorm unter den Machenschaften krimineller Syndikate, welche große Teile der Wirtschaft ausnutzen und riesige Geldsummen außer Landes schaffen.
Etwa 30% der Arbeitenden verdienen weniger als einen US-Dollar am Tag, 38% leben in völliger Armut und 75% geht es schlechter als zu Zeiten des Kommunismus. Die Kosten für die medizinische Versorgung treiben viele in die Armut und eine gute Ausbildung ist für viele Familien unbezahlbar. Dies alles führt zu einer endlosen Frustration und Hoffnungslosigkeit, was sich in rasant steigendem Alkoholmissbrauch, vermehrten Abtreibungen und Selbstmorden niederschlägt.
Die Religionen
70 Jahre lang war die Ausrottung allen religiösen ?Aberglaubens? das Ziel der kommunistischen Partei. Alle Religionen wurden unterdrückt und zeitweise sogar brutal verfolgt; es wurde versucht, sie zu unterwandern oder für kommunistische Ziele zu manipulieren. Viele starben für ihren Glauben oder wurden inhaftiert.
Jetzt garantiert die Verfassung Religionsfreiheit, jedoch sind die Religionsgesetze mehrdeutig und werden ? je nach Behörde ? locker oder sehr streng ausgelegt. Die offizielle russisch-orthodoxe Kirche hat einen enormen politischen und gesellschaftlichen Einfluss und versucht, die Missionsarbeit der ?nicht-rechtgläubigen? (nicht-orthodoxen) Christen zu behindern.
In manchen Regionen mit islamischer Bevölkerungsmehrheit (z. B. Tatarstan) werden die evangelikalen Christen noch stärker schikaniert bzw. eingeschränkt.
Neue christliche Gemeinden
Die Ideologie, die versuchte, das Christentum auszurotten und die versprach, den letzten Christen der UdSSR im Fernsehen zu präsentieren, ist zusammengebrochen.
Die plötzliche Freiheit ermöglicht ungeahnte Chancen für eine breit angelegte Missionsarbeit. Evangelisationen, Bibeldruck und -verteilung, theologische Ausbildung, christliche Freizeiten, sozialdiakonische Einsätze in Kinder- und Altenheimen sowie Gefängnissen und anderen Einrichtungen sind Wirklichkeit geworden. Das führte zu einer neuen Herausforderung, nämlich biblisch fundierte Gemeinden aufzubauen, die kulturrelevant sind und auf die Bedürfnisse und Not der Menschen eingehen.
Gleichzeitig werden die bestehenden evangelikalen Gemeinden durch die andauernde Auswanderung christlicher Leiter in den Westen geschwächt bzw. gelähmt.
Eine systematische Missionsarbeit mit Langzeitperspektiven für Evangelisation und Gemeindeaufbau ist deshalb dringend nötig. Die wenigen aktiven Christen brauchen unsere geistliche und materielle Zurüstung.
Die Missionsarbeit der Allianz-Mission
Im Frühjahr 2004 beschloss die Allianz-Mission, eine neue Missionsarbeit im Saratov-Gebiet in Zentralrussland zu beginnen. Das über 100.000 km² große Gebiet mit ca. 2,6 Mio. Menschen liegt etwa 800 km südöstlich von Moskau und grenzt im Süden an Kasachstan. Die Gebietsstadt Saratov mit ca. 1,5 Mio. Einwohnern liegt am ?Mütterchen" Wolga (einem der größten Flüsse Russlands), der das Saratov-Gebiet in einen West- und Ostteil trennt. Im Ostteil befand sich die sog. autonome ?Deutsche Republik", die kurz vor dem 2. Weltkrieg durch die Deportation der Deutschen nach Sibirien und Zentralasien aufgelöst wurde.
In der Sowjet-Zeit gab es viel Militärindustrie, was einerseits für Arbeitsplätze sorgte, andererseits zu einer Abgrenzung des Gebiets führte. Heute wirkt sich das sehr negativ aus: die Militärbetriebe wurden weitgehend geschlossen, was zu Verarmung und Benachteiligung führte.
Der Anteil der Christen ist hier extrem gering. Man schätzt ihn auf unter 0,01%. Zusammen mit unserem Partner, der ?Vereinigung christlicher Gemeinden Tadschikistans", wurde die erste Missionarsfamilie aus Tadschikistan im Juli 2004 nach Saratov ausgesandt. Durch persönliche Evangelisation und die Gründung missionarischer Hauskreise, durch sozialdiakonische Dienste etc. wollen wir mit Gottes Hilfe Gemeinden bauen - Gemeinden, die der unbeschreiblichen geistlichen, seelischen und körperlichen Not der Menschen mit dem Evangelium in Wort und Tat begegnen und neue Lebensperspektiven aufzeigen. - Helfen Sie uns dabei?
