HUYAMU - AIDS-Beratung und -Behandlung in Musoma im Norden Tansanias
Rose - weil du HIV-Positiv bist, wollen wir nichts mit dir zu tun haben! Geh' weg! - Du hast die Krankheit!
Abgelehnt!
Rose kam abgemagert und völlig elend aussehend zur Kaza-Roho-Gruppe (= HIV-Positiven-Selbsthilfegruppe), eingeladen von einer Freundin, die natürlich auch HIV-positiv ist.
Nachdem ihr Mann vor zwei Jahren verstarb und sie selbst immer wieder krank wurde, zog Rose zurück zu ihrer Mutter und Schwester nach Musoma. Als die erfuhren, dass sie HIV-positiv ist, war es mit dem Familienzusammenhalt vorbei. Sie wurde zwar noch auf dem Hof geduldet ? wo sollte sie auch sonst leben? Aber von diesem Tag an wurde sie wie eine Aussätzige behandelt: Keiner wollte mehr in ihrer Nähe sein! Wenn sie kam, gingen die anderen fort. Da auch niemand mehr mit ihr im gleichen Zimmer übernachten wollte, wurde ein kleines Kämmerchen abgetrennt. Sie durfte auch nicht mehr am gemeinsamen Essen teilnehmen, sondern bekam ihr Essen in ihr Zimmer gebracht ? ihr Geschirr musste sie danach selbst abwaschen. Ihre Wäsche wusch sie in einer separaten Plastikschüssel selbst.
Ausgegrenzt!
Rose meinte, sich an diese lieblose Ausgrenzung sogar gewöhnt zu haben. Was sie aber sehr tief verletzte, war die Tatsache, dass ihre Schwester die Kinder vertrieb, die mit ihrer Tante spielen wollten: Rose wäre nicht die richtige Spielpartnerin für sie. - Auch ihr Kleingewerbe, bei dem sie sich etwas Geld durch den Verkauf von Tomaten verdiente, ging ein ? wer wollte schon bei einer HIV-Positiven einkaufen? Sie hatte das Gefühl, selbst in den Augen ihrer eigenen Familienangehörigen, wertlos zu sein! Obwohl sie noch lebte, hatten die anderen sie schon abgeschrieben! Irgendwann kam auch bei Rose das elende Gefühl auf: Ich sterbe zu langsam für meine Umwelt! Mein Leben ist schon vorüber, obwohl es noch gar nicht zu Ende ist!
Aufgenommen!
Dann kam sie zu Kaza-Roho (übersetzt: Sei stark ? sei mutig!) ? und erlebte, dass es ihr nicht allein so erging, sondern dass es noch viele Leidt
ragende neben ihr gab, die teilweise noch Schlimmeres erlebten! Aber sie merkte auch, wie positive Gemeinschaft stark machen und er-mutigen kann - sie wurde von der Gruppe auf- und angenommen! Jetzt erlebte sie dazu auch noch praktische Hilfe: Wir behandelten ihre diversen anderen (Infektions-) Krankheiten ? Malaria, Syphilis und Würmer. Und Rose nahm auch natürliche Medizin gegen AIDS. Durch die Ermutigung der anderen Gruppenmitglieder begann sie auch ARV.s (= Antiretrovirale Medikamente) zu nehmen, die im staatlichen Krankenhaus umsonst an AIDS-Patienten abgegeben werden!
Zugenommen!
Inzwischen hat Rose etliche Kilos zugenommen. Ihre, vor Kurzem noch von Ausschlägen übersäte Haut sieht ganz gesund aus - und keiner kann ihr mehr ansehen, dass sie HIV-positiv ist. Ihre Mutter und Schwester scheinen sich mittlerweile daran gewöhnt zu haben, mit ihr zu leben ? Rose ist wieder ein (fast) normales Familienmitglied. Auch ihr Kleingewerbe hat sie wieder neu begonnen und trägt damit zum Lebensunterhalt der Großfamilie bei.
In der Kaza-Roho-Gruppe hat Rose gelernt, dass sie auch als alleinstehende Frau und Witwe ein Recht auf Selbstbestimmung hat und dass ihre AIDS-Erkrankung nicht das Ende ihres noch jungen Lebens bedeutet. Heute singt sie im Kaza-Roho-Chor öffentlich die Lieder mit, die sie dort selbst getextet und komponiert haben. In einem Lied heißt es: HIV-Positiv-Sein meint nicht mehr länger das Ende vom Leben ? sondern ist deine Chance, dein Leben neu zu planen...!
Angenommen!
Ihre entscheidende Lebensveränderung kam dadurch, dass sie Jesus Christus kennen und lieben gelernt hat, der sie so angenommen hat, wie sie ist ? HIV-Positiv! Sie hat erlebt, dass sie bei Gott einen unermesslich hohen Wert besitzt und ER ihr mit unvergleichlicher Liebe begegnet! ? Bald singt sie wieder auf den Marktplätzen in unserer Region, vom Gott der Liebe, der alle Sünden vergibt! Und vom Wert der Menschen, die dieser Gott geschaffen hat und nie zu lieben aufhört.
Vorgenommen!
Rose hat es mit Gottes Hilfe geschafft, aus der Hoffnungslosigkeit herauszufinden. Aus der Entmutigung zu einem neuen Leben. ? Nun will sie denen helfen, die besonders in den Dörfern noch unter Ausgrenzung und Stigmatisierung leiden müssen. Die sich aus Scham keiner Behandlung unterziehen, die sich abgelehnt fühlen und ihr eig
enes Lebensrecht verneinen.
Inzwischen begleiten wir vier Kaza-Roho-Gruppen in unserer Arbeit - mit insgesamt über 200 Mitgliedern. Die meisten sind durch die Einladung von anderen HIV-Positiven dazugekommen. Andere wurden in unserer Gesundheitsstation positiv getestet.
Wir wünschen uns, dass durch die AIDS-Selbsthilfegruppen noch viele die Erfahrung von Rose machen: Wertgeschätzt und angenommen - von Gott und Menschen!
Maike Ettling, Musoma, Tansania -
m.ettling(at)allianz-mission.de
Verdastus

Solange er von seinen Geschäften in Mwanza mit viel Geld in seinen Heimatort Musoma kam, war er ein gern gesehener Gast. Als er immer öfter krank wurde, stark abmagerte, der Husten nicht mehr wegging... und die großzügige finanzielle Unterstützung abnahm, verließ ihn seine Frau und er bettelte um Aufnahme im Hause seines Vaters und der Stiefmutter. Eitrige Beingeschwüre machten das Gehen fast unmöglich. Der HIV-Test in unserer Gesundheitsstation war wie erwartet positiv.
Verdastus wurde von der Kaza-Roho-Selbsthilfegruppe freundlich aufgenommen, ermutigt und ins Leben zurückgeholt. Neben den üblichen AIDS-Medikamenten (ARV) nahm er Natürliche Medizin, wie Artemisia und Moringa; es ging ihm zunehmend besser? bis auf seine Beine. Trotz diverser Medizin und Salben kämpft er weiterhin mit eitrigen Wunden und Geschwüren. Seine familiäre Situation ist mitleidenswert; er wird als Last angesehen. Versorgt wird er kaum, wenn er etwas zu Essen bekommt, hat er Glück; seine Wäsche muss er sich selbst waschen.
Verdastus erlebt Ermutigung, Annahme und Liebe nur durch Besuche der Selbsthilfegruppe und der Gesundheitshelfer. Mitten in seiner Einsamkeit und Stigmatisierung findet er Trost und Hoffnung in seinem Glauben an Christus, der ihm in seinem Leid begegnet ist.

