Unwetterkatastrophe Philippinen
Autoren: Familie Herrmann, Wiebke Schmidt-Holzhüter, reinhart henseling
Die Mitarbeiter der Allianz-Mission leben und arbeiten mitten in den vom Jahrhundertunwetter am stärksten betroffenen Gebieten Manilas auf der philippinischen Hauptinsel Luzon. Sie wurden, wie Millionen andere Menschen vom Unwetter Ende September und seinen unglaublichen Wassermassen völlig überrascht.
Missionarin Wiebke Schmidt-Holzhüter war dienstlich außerhalb von Manila unterwegs, als der Taifun richtig losbrach und das Wasser in ihrer Siedlung sehr schnell stark anstieg. Innerhalb weniger Stunden stand das Gemisch aus Regenwasser und Kloake bis über das Dach des Hauses, so dass vom kompletten Hausrat nichts zu retten war. Kurzzeitmissionarin Svenja Stein, die versucht hatte, in Wiebkes Haus so viel wie möglich in Sicherheit zu bringen, konnte schließlich nur noch sich selber retten. Sie flüchtete sich in das zweite Stockwerk eines Hauses in der Nachbarschaft, das der AM gehört, wo sich auch die beiden anderen Kurzzeitmissionare, Lukas Stein und Sergej Kiel, befanden. Gemeinsam mit einer vierköpfigen philippinischen Familie verbrachten sie die nächsten zwei Tage abgeschnitten von der Außenwelt auf diesem Stockwerk. Das Wasser stieg so hoch, dass sie zwischendrin sogar Notfallpläne schmiedeten, wie sie aufs Dach klettern könnten. Gott sei Dank wurde das nicht nötig. Es war ihnen gelungen, einige Sachen aus den unteren Stockwerken zu retten. Nachdem das Wasser abgelaufen war, stellte sich leider heraus, dass das Haus so stark beschädigt ist, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnen wird und es nur noch für den Grundstückspreis verkauft werden kann. Da die Stromversorgung und das Telefonnetz zusammengebrochen waren, wussten die AM-Missionare nichts vom Verbleib der Kurzzeitmissionare. Am Morgen nach der Flut konnten sich deswegen die Missionare Wolfgang Herrmann und Wiebke Schmidt-Holzhüter nur dadurch vom Ergehen der Kurzzeitler und Filipinos überzeugen, in dem sie durch die drei Meter tiefe Kloake schwammen. Einen Tag später konnten alle das Haus verlassen.
Am Tag als der Taifun wütete, war auf das Fahrzeug von Missionar Wolfgang Herrmann, der sich zum Helfen auf den Weg gemacht hatte, ein anderer PKW aufgefahren. Zwischenzeitlich hatten sich, durch die äußerst heftigen Regenfälle, viele Straßen in Flüsse verwandelt, ein Weiterkommen war unmöglich geworden. Missionarin Ulrike Herrmann blieb mit einem weiteren PKW stecken, und selbst auf einem höher gelegenen Parkplatz war kein Schutz mehr vor den Wassermassen zu finden. Ulrike konnte die Gegend noch im oberschenkeltiefen Wasser watend verlassen, bevor die Fluten richtig hoch stiegen. Das Missionsauto wurde zusammen mit vielen Tausend anderen bis fast unter das Autodach überflutet.
Missionarsfamilie Manh Nguyen, die von der AM aus Vietnam auf die Philippinen ausgesandt wurde, war von der Flut nicht betroffen.
In vielen Stadtteilen Manilas verlief sich das Wasser relativ schnell und hinterließ eine alles überziehende, stinkende, braune Schlammschicht. In den niedriger liegenden Slums, direkt an den Flutkanälen, steht die gefährliche Kloake immer noch und gefährdet die dort lebenden Ärmsten der Armen. Neuere Unwetterwarnungen haben zu panikartigen Reaktionen geführt. Wer kann, flieht aus den bedrohten Gebieten. Wohlhabende Einwohner Manilas kaufen die wenigen Warenvorräte auf, der Nachschub läuft schlecht. In den Supermärkten sind Grundnahrungsmittel knapp geworden. Hamsterkäufe und die Vernichtung großer Reserven durch die Flut sorgen für eine zusätzliche Verknappung der Lebensmittel. In den Armengegenden wird der verseuchte Reis getrocknet und wieder zum Verkauf angeboten.
Überall entstehen haushohe Müllberge, weil die riesigen Schuttberge auch mit schwerem Gerät nicht schnell genug abtransportiert werden können. - In den tiefer liegenden Stadtteilen kann keine Toilette benutzt werden - ein gefährlicher Zustand. Die Seuchengefahr wächst und wird, nach Einschätzungen von Ärzteteams, in wenigen Wochen zu einer ernsten Bedrohung werden!
Ein AM-PKW, der in den Fluten völlig untergegangen war, steht in einer Werkstatt: "In einem Monat können wir einen Kostenvoranschlag machen... vielleicht können wir die Reparaturarbeiten in einem Jahr durchführen! Hier warten noch 600 andere PKW auf die Reparatur..."
Das Gebiet, in dem sich die Gemeindegründungsarbeit von Familie Herrmann befindet (Taytay, St. Ana), steht das Wasser jetzt noch bis zu den Hüften. Nach Einschätzung von Fachleuten könnte es zwei bis drei Monate dauern, bis dort alles wieder trocken ist. Es gibt im Gebiet so gut wie noch kein Abwassersystem. Von dem kleinen Haus, das für die Gemeindearbeit angemietet war, steht nach wie vor die Garage unter Wasser. Durch die genannten Umstände sind in diesem neuen Arbeitsgebiet im Moment alle Gemeindeveranstaltungen lahmgelegt und niemand weiß, wie es weitergehen soll. Die Leute haben sehr einfache Holzstege gebaut, auf denen sich viele von Haus zu Haus fortbewegen. Andere nutzen selbstgezimmerte ?Floße?, auf denen man sich gegen Bezahlung vom Floßbesitzer durch die Gassen bis vor die Haustüre schieben lassen kann.
Auch weitere Gemeinden des Bundes sind schwer betroffen: Das Gemeindehaus San Miguel hat sich in ein Evakuierungszentrum verwandelt, in dem 20 gemeindefremde Familien Zuflucht gefunden haben. Nach wie vor ist in der Gegend alles überflutet, es fehlt an sanitären Einrichtungen, Trinkwasser und Nahrungsmitteln.
Ähnlich sieht es in Kabisig aus, einer Gemeindegründungsarbeit, in der Pastor Jun Jornales und seine Frau, ehemalige AM-Missionarin Christiane (geb. Weber), arbeiten. Im Gemeindehaus wohnen seit der Flut auf ca. 70 m² über 70 Leute. Und mittendrin kam sogar vier Tage nach dem Taifun ein kleines Mädchen zur Welt. Die Häuser der Betroffenen sind teilweise bis heute komplett unter Wasser. Wie es für die Menschen weitergehen wird, ist allen ein Rätsel. Aber auch die Muttergemeinde von Kabisig, Parola, die ebenfalls von Pastor Jun Jornales betreut wird, ist schwer von der Katastrophe betroffen. Die Pastorenfamilie selber erlitt Verluste, als die Wohnung knietief voll Wasser lief.
Aber auch 80 % der Gemeindemitglieder sind von der Flut betroffen, viele haben allen Besitz verloren. Ebenso erging es 10 Familien aus der Gemeinde Vista Verde. Außerdem stand dort das Gemeindehaus ca. 1,50m unter Wasser.
Die akute Gefahr scheint vorüber! Der nächste Wirbelsturm zog gnädigerweise an Manila vorüber. Fehlendes sauberes Trinkwasser ist ein großes Problem. Es ist natürlich für viel Geld auch zu kaufen, aber nicht für die Armen, die sowieso alles verloren haben! Der Müll liegt bergeweise vor den Häusern. Matschiges, übelriechendes Wasser sickert ständig aus den verseuchten Müllbergen und fließt die Strassen entlang ... und die wirklich Armen wühlen in den Müllbergen herum, noch immer auf der Suche nach Brauchbarem.
Der wirtschaftliche Verlust ist für die AM sehr hoch. Der Gesamtverlust in der Region unschätzbar. Es ist erstaunlich zu sehen, mit welcher Gelassenheit einerseits und mit welchem höchsten persönlichen Einsatz andererseits die Filipinos um ihr Überleben im Chaos kämpfen!
Im AM-Team zeigt sich nicht nur die Müdigkeit nach unglaublichen Herausforderungen und Anstrengungen und spurlos ist das Ereignis an keinem von ihnen vorbeigegangen.
- Beten Sie bitte für das AM-Team vor Ort! Beten Sie bitte für die notleidende arme Bevölkerung!
? Beten Sie um Weisheit in allen Planungen und Entschei-dungen auch bei allen Hilfsaktionen!
- Beten Sie bitte um Gottes Erbarmen!
Die AM hat eine spezielle Hilfsaktion für diese Krisensituation ins Leben gerufen! - Unsere Mitarbeiter helfen, wo sie können! - Helfen Sie uns bitte, dass die Hilfe nicht aus mangelnden Finanzen enden muss.
Sie können Ihre (steuermindernde) Spende auf eines der Konten der AM überweisen mit dem Vermerk: Fluthilfe Philippinen
Spar- und Kreditbank eG, Witten; Konto: 9 110 900; BLZ: 452 604 75
Voba Dill eG; Konto: 438 006; BLZ: 516 900 00
